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Jürgen Trinkewitz wurde in Regensburg geboren. Er absolvierte ein Musiklehrerstudium sowie ein Hauptfachstudium „Historische Tasteninstrumente“ an der Hochschule der Künste, Berlin bei Gerhard Kastner und Mitzi Meyerson und betrieb weitere Studien bei Jacques Ogg in Amsterdam. 2004 promovierte er im Fach Musikwissenschaft an der Universität Greifswald bei Prof. Matthias Schneider zum Dr. phil.,wo er auch  von 2006–2008 einen Lehrauftrag hatte. Seit 2011 unterrichtet er als Lehrbeauftragter an  der UdK Berlin. Jürgen Trinkewitz arbeitet als Kirchenmusiker der Ev. Weihnachtskirchengemeinde Berlin-Haselhorst und ist seit 1988 als Dozent für Klavier, Orgel und Historische Tasteninstrumente an der Musikschule fanny Hensel Berlin-Mitte tätig. Er konzertiert als Cembalist und Organist nach und spielte diverse CD-Produktionen bei querstand, Altenburg ein. 

Seine Tätigkeit als Autor und Herausgeber ergänzt sein Betätigungsfeld. ____________________________________________________________________________________________

VERÖFFENTLICHUNGEN

1995 Artikel über Spieltechnik des Cembalos sowie Repertoire des 20. Jh. für die neue Edition der Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), Sachteil Bd. 2, Kassel 1995

1997 CD-Produktion (Leçons de ténèbres) mit dem Ensemble la voce umana sowie Cembalomusik bei querstand, Altenburg (VKJK 9801 

1998 Herausgeber und Generalbassaussetzer der Kantate Europe von Michel Pignolet de Monteclair bei Breitkopf und Härtel (DV 9526)
 
2001 CD-Produktion (Mi palpita il cor) mit dem Ensemble la voce umana sowie Cembalomusik bei querstand, Altenburg (VKJK 0010)
 
2002 Filmmusik für den Dokumentarfilm Ich kann das schon, eine Produktion im Auftrag des ZDF (Arte), Regie: Heide Breitel
 
2002 Artikel über Hans Helfritz für die neue Edition der Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), Personenteil Bd. 8, Kassel 2002
 
2003 CD-Produktion (Europe) mit dem Ensemble la voce umana sowie Cembalomusik bei querstand, Altenburg (VKJK 0212) 
 
2005 Clavier- und Kompositionsunterricht im 18. Jahrhundert oder: Was man aus alten Instrumentalschulen lernen kann, in: Concerto 22. Jg./Nr. 201 Teil I: S. 30-32. und Concerto 22.Jg./Nr. 202 Teil II und Schluss: S. 35-37, Köln 2005.
 
2006 Mitarbeit als Autor des Lexikon der Orgel beim Laaber-Verlag, Laaber 2007
 
2007 Kommentierte Herausgabe des Traktates Manuductio ad organum von Johann Baptist Samber beim Georg Olms Verlag, Hildesheim 2007/2009
 
2007 Max Regers Meininger Schützenhaussaal-Orgel in: Mitteilungen der Internationalen Max Reger Gesellschaft e. V., Jürgen Schaarwächter (Hrsg.), Heft 15, 2007

2008 Ein Lamento im Kontext der habsburgischen Memorialkultur, in: Concerto 25. Jg./Nr. 219 S. 36f., Köln 2008

2008 Sub-Baß & Fagott wanns Tutti geht (Aufführungspraktische Aspekte in J. B. Sambers „Manuductio ad organum“ und „Continuatio ad manuductionem organicam“) in organ (1/2008), Schott Music, Mainz 2008
 
2009 Kommentierte Herausgabe des Traktates Continuatio ad Manuductionem organicam von Johann Baptist Samber beim Georg Olms Verlag, Hildesheim 2009

2009 Historisches Cembalospiel. Ein Lehrwerk auf der Basis von Quellen des 16.–19. Jahrhunderts. 2 Bände, Carus-Verlag, Stuttgart 2009

2009 Max Regers Meininger Schützenhaussaal-Orgel, in „Ars Organi“, 57. Jg.·Heft 1, März 2009 

2009 Kommentierte Herausgabe der Choralvorspiele op. 104  von Arnold Ludwig Mendelssohn bei der Edition Peters
 
2009 Kommentierte Herausgabe des Traktates Elucidatio Musicae choralis von Johann Baptist Samber beim Georg Olms Verlag, Hildesheim 2009

2010 Trauervokabular und offene Strukturen in französischer Cembalomusik des 17. Jahrhunderts. Allemande, Prélude non mesuré und Tombeau sowie die deutsche Rezeption bei Johann Jacob Froberger in: Daphnis, Zeitschrift für Mittlere Deutsche Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit (1400-1750), Bd. 38· 2009 Heft 3· 4, S. 647–673

2011 Rezension in Baltische Studien (Pommersche Jahrbücher für Landesgeschichte) Neue Folge Bd. 96, Kiel 2011, S. 126–127
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CD-PRODUKTIONEN

Leçons de Ténèbres


Lalande: Troisiéme Leçon fis-moll. Lalande: Troisiéme Leçon du jeudi. Froberger: Allemande aus der SUITE XX in D "Meditation, Faite sur ma mort future, la Quelle se joue lentement avec discretion". Lalande: Troisiéme Leçon du Vendredy.

La voce umana: Gabriele Näther (Sopran), Niklas Trüstedt (Viola da gamba) & Jürgen Trinkewitz (Cembalo)

Im Frankreich des 17. Jahrhunderts waren in der Karwoche weltliche Musikveranstaltungen verboten. Statt dessen begannen einzelne Klöster und Kirchen, die Matutin-Gottesdienste am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag musikalisch auszugestalten. Die Gottesdienste wurden jeweils auf den Nachmittag des vorhergehenden Tages vorverlegt. Bei diesen Leçons de Ténèbres ("Lesungen der Finsternis") wurden die Kerzen nach und nach ausgelöscht, um den Gottesdienst schließlich in völliger Dunkelheit enden zu lassen – Christi völlige Verlassenheit symbolisierend. Die Liturgie für diese Gottesdienste, die nach dem Konzil von Trient (1548-1563) relativ feste Strukturen erhielten, wurden von zahlreichen großen Komponisten, u.a. Palestrina, di Lasso, Charpentier und eben auch Michel Richard de Lalande vertont. Von letztgenanntem sind nur drei seiner mindestens neun Leçons erhalten, die auf dieser CD von La voce umana beeindruckend umgesetzt werden.

Ergänzend zu den Leçons sind eine Pavane von Louis Couperin, sowie eine Lamento-Allemande von Johann Jacob Froberger eingespielt – beides Beispiele für französisch orientierte  Trauermusik  des 17. Jahrhunderts.

querstand VKJK 9801

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Mi palpita il cor


Händel: Mi palpita il cor HWV 32. Scarlatti: Sonate A-Dur, K.208 – Sonate a-moll, K.49 Händel: Nice, che fa? Händel: Mi palpita il cor HWV 32. Geminiani: Sonate III C-Dur für Violoncello und Basso Continuo. Händel: Dolce pur d‘amor l‘affano. Händel: Lucrezia.

La voce umana: Gabriele Näther (Sopran), Joachim Fiedler (Barockcello), Jürgen Trinkewitz (Cembalo)

Vom Prinzen Ferdinando de Medici wurde Händel 1706 nach Florenz eingeladen. Italien blieb für den Komponisten der bestimmende, inspirierende Einfluß seines Lebens. Er lernte alle bedeutenden Komponisten der Zeit kennen, so Corelli, Vivaldi, Caldara, Pasquini und die beiden Scarlattis. Der große Durchbruch gelang Händel in Rom. Dort wurde er vom Prinzen Ruspoli als eine Art „freier Komponist“ angestellt. Für Ruspoli entstanden vielleicht auch einige der hier eingespielten Kantaten.
Die Kantate war die wichtigste Gattung ihrer Zeit, zumal in Rom, wo der Papst die Aufführung von Opern gänzlich verboten hatte – sicherlich auch für Händel ein bitterer Schlag, erhoffte er sich doch gerade von der Oper neuen Ruhm. Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass ausgerechnet in den Palazzi der reichen Kardinäle Ottoboni und Pamphili die Kantaten als Mini-Opern aufgeführt wurden. Händel komponierte aber auch hybride Kantatenformen aus Serenata, Oratorium und Oper mit mehreren Stimmen und Orchesterbegleitung, die den eigentlichen Opern substantiell wohl kaum nachstanden. Er soll mehr als 150 Kantaten in Rom geschrieben haben, wovon immerhin 100 erhalten sind und die immer noch in ihrer Bedeutung unterschätzt werden.
Ganz sicher sind die hier eingespielten Kantaten während Händels Italienaufenthalt entstanden. Dabei ist nicht geklärt, ob sie eher in Florenz oder in Rom komponiert wurden. Von "Lucrezia" nimmt man eher an, dass sie in Florenz geschrieben wurde, auch weil der Kompositionsstil mit seinen starken rhetorischen Ausdrucksmitteln noch stark an die deutsche Traditio der Kirchenkantaten erinnert. Allerdings ist gerade diese Kantate in jeder Beziehung so originell, selbst im Vergleich mit den späteren Opern Händels, dass eine rein stilistische Einordnung eher verfehlt scheint.
Während für den heutigen Hörer Vivaldi und Corelli die führenden Komponisten des italienischen Hochbarock sind, war für die Zeitgenossen Francesco Geminiani diesen beiden mindestens ebenbürtig. Anläßlich einer Reise nach Paris wurden 1746 seine "6 Sonaten für Violoncello und Continuo op. 5" veröffentlicht. In den französischen Zügen der C-Dur-Sonate, etwa in der Sarabande des Affetuoso, könnte man durchaus auch als Verneigung vor dem Pariser Publikum verstehen.
Verblieben die Vokalwerke Domenico Scarlattis eher in den Konventionen des sanktionierten Sakralstils, so war der Cembalokomponist Scarlatti ein erfinderisches Genie, das die Klaviertechnik im 18. Jh. entscheidend erweiterte. Man kann bei den Sonaten zwei Hauptrichtungen erkennen, die beide beispielhaft auf der CD vertreten sind: Zum einen gibt es Sonaten, die dem Prinzip der Tanzphrase gehorchen und oft von folkloristisch-spanischen Tänzen beeinflusst sind. Die zweite Richtung, oft mit "cantabile" überschrieben, ist ganz dem menschlichen Atem, dem Gestus des Liedes verpflichtet. Während die schnellen Stücke häufig virtuosen Glanz und neue cembalistische Techniken entfalten, loten die langsamen Sonaten vielfach die gesamte Breite menschlicher Gefühle jenseits der barocken, standardisierten Affektsprache seine Zeitgenossen aus.

querstand VKJK 0010

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Europe


De Boismortier: I. Sonate pour un Clavecin et une Flûte Traversiere.  De Montéclair: Le Triomfe de la Constance - Cantate à voix seule avec une Viole. Royer: Pièces de Clavecin Anonymus (MS Humeau 1): Prélude in C. De Montéclair: Europe - Cantate à voix seule avec une Flûte. Leclair: Sonata VIII à Trois, avec un Flûte Allemande, une Viole et Clavessin (Triosonate D-Dur op. II No. 8).

La voce umana: Gabriele Näther (Sopran), Andrea Theinert (Traversflöte), Sylvia C. Rosin (Blockflöte),          Friederike Däublin (Viola da gamba), Günter Mach (Muselaar), Jürgen Trinkewitz (Cembalo)

Die Idee eines glücklichen Landlebens mit Schäfern und Schäferinnen, deren einziger Zeitvertreib die Liebe zu sein schien, war eine sehr häufig dargestellte Vision zahlloser Kompositionen der Barockzeit. Die pastoralen Musikwerke entwickelten sich seit der Herrschaft Ludwigs XIV. auch in Frankreich zu einer regelrechten Manie, obwohl die Realität des Lebens der Schäfer völlig anders aussah.
Ganz der pastoralen Sphäre ist die hier eingespielten Sonate für Flöte und konzertierendes Cembalo von Joseph Bodin de Boismortier zuzuordnen. –
Michel Pinolet de Montéclair hatte auf seinen Reisen nach Italien den italienischen Stil kennengelernt, wie man deutlich an seinen Solokantaten erkennen kann, die sich elegant zwischen Italien und Frankreich bewegen. Joseph-Nicolas Pancrace Royer führte die französische Cembalomusik zu einem klanglichen und virtuosen Extrem, das nicht mehr übertroffen werden sollte. Bei seinen Operntransskriptionen für Cembalo entwickelte er Spieltechnik und Klangeinsatz so weit, dass man fast glaubte, tatsächlich einer Opernaufführung beizuwohnen, was ganz besonders für die hier eingespielte Pìece "Le Vertigo" zutrifft. Den Abschluss der CD bildet Jean-Marie Leclairs Triosonate D-Dur, die sich behende zwischen italienischem und französischem Stil bewegt.

querstand VKJK 0212

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Bücher und Notenausgaben (Auswahl)





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